Typische Denkfehler der Tierrechtler am Beispiel der Anti-Zirkus-Kampagne

Die Argumentation der Tierrechtler beruht auf einer unbiologischen Vermenschlichung der Tiere. So fordern die Tierrechtler z. B. menschliche Rechte für Tiere ein, in erster Linie das Recht auf Selbstbestimmung. Dadurch wird jede Tierhaltung zur „Freiheitsberaubung“ und jede Interaktion zwischen Mensch und Tier (z. B. Reiten) zur “Nötigung”, und somit zu einem „Unrecht“, das unbedingt abgeschafft werden muss. Diese Argumentation lässt die Unterschiede zwischen Mensch und Tier außer Acht und geht an der Empfindungswelt der Tiere völlig vorbei. Den Tieren ist es gleichgültig, ob sie „gerecht“ oder „ungerecht“ behandelt werden. Sie interessieren sich nur dafür, ob sie sich wohlfühlen oder nicht, und dies ist davon abhängig, ob sie ihre Bedürfnisse befriedigen können.

Darauf folgt ein weiterer Denkfehler: Die Tierrechtler setzen jeden Verstoß gegen die geforderten Tierrechte mit „Tierquälerei“ gleich, so als ob man das Vorhandensein von „Tierquälerei“ mit dem Nachweis eines “Unrechts” (im tierrechtlichen Sinne) begründen könnte. Dies ist aber ein Trugschluss, weil die beiden Begriffe ganz unterschiedlichen Bereichen angehören. Während „Unrecht“ ein juristischer bzw. philosophischer Begriff ist, stammt der Begriff „Tierquälerei“ aus dem Bereich Biologie bzw. Tiermedizin. Die Frage, ob es sich bei der Tierhaltung im Zirkus um „Tierquälerei“ handelt, kann folglich nur mit den Mitteln der Biologie bzw. der Tiermedizin entschieden werden. Der beschriebene Denkfehler steht im Zentrum der Tierrechtler-Argumentation. Man findet ihn nahezu in jeder Veröffentlichung der Zirkusgegner.

Tatsächlich sind die von den Zirkusgegnern beanstandeten Tierrechtsverletzungen in der Regel keine Tierquälerei. Alle biologischen Untersuchungen über das Wohlbefinden von Zirkustieren, z. B. die Verhaltensstudien von Dr. M. Kiley-Worthington oder die Cortisol-Messungen von Dr. I. Birmelin, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es den Tieren im Zirkus gut geht bzw. dass es Ihnen nicht besser oder schlechter geht als den Tieren in anderen Haltungsformen (siehe Seite "Forschung" auf unserer Homepage).

Ungeachtet dieser Tatsachen sind die Zirkusgegner zu dem dargestellten Trugschluss gezwungen, und zwar deshalb, weil sich das Tierschutzgesetz ausschließlich am Tierwohl, nicht aber an Tierrechten orientiert. Wenn die Zirkusgegner also Tierhaltungsverbote für Zirkusse herbeiführen wollen, müssen sie einen Widerspruch zwischen dem Tierschutzgesetz und der Tierhaltung im Zirkus konstruieren, und dies ist nur mit Hilfe des Begriffes „Tierquälerei“ möglich.

Dirk Candidus (Februar 2018)